Die Qualität einer Winterruhe/Ruhephase

Imfrormationen rund um die Ameisenhaltung
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Wolfgang
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Die Qualität einer Winterruhe/Ruhephase

Beitrag von Wolfgang » Sa 4. Mär 2017, 22:12

Die Qualität einer Winterruhe/Ruhephase
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Winter kann richtig schön sein!
Für Ameisenhalter die einheimische Arten pflegen, durchaus auch die Zeit um Ameisen Ameisen sein zu lassen.
Nur ab und an nachschauen und möglicherweise für das kommende Ameisenjahr planen und bauen.
Könnte alles so schön sein, wenn da nicht die Ungeduld wäre oder die fehlenden Möglichkeiten für eine passende Winterruhe.

Die Qualität einer Winterruhe,
ein überaus wichtiger Faktor, der maßgeblich beeinflusst, was aus einer Ameisenhaltung wird.
Oftmals wird herumgerätselt, wo die Gründe liegen, das es nicht voran geht mit der Ameisenhaltung oder Königinnen keine Eier legen wollen?

Einheimische Arten werden im Winter einfach gekauft, ohne Informationen, wie diese gehalten wurden, ob sie in Winterruhe waren.
Noch komplizierter wird es bei „exotischen Arten“, die werden oftmals angeboten mit dem Argument, das sie keine Winterruhe brauchen.
Das kann durchaus zutreffen, allerdings sagt das nichts darüber aus, das sie Ruhephasen einlegen/brauchen.
Wie ist damit um zu gehen?

Ungeduld und mangelnde Möglichkeiten, unseren einheimischen Arten eine angebrachte, passende Winterruhe zu bieten, bleiben diese ohne Folgen?
Auch südeuropäische Arten, die in ihrer Heimat kälteren Temperaturen ausgesetzt sein können, brauchen entsprechende Haltungsbedingungen.
Das ist noch nicht alles, selbst Ameisenarten die unter dem Begriff „Exoten“ in unsere Haltung kommen, legen Ruhephasen ein.
Wie ist damit um zu gehen, wie reagieren Ameisen wenn sie bezüglich Winterruhe/ Ruhephasen,
nicht so gehalten werden, wie sie es in ihrem natürlichem Lebensraum vor finden?

Sind interessante Fragestellungen, die entscheidenden Einfluss haben, ob eine Ameisenhaltung voran geht oder scheitert.
Was ich an Beobachtungen zusammen tragen konnte, schreibe ich hier.
Sind nur Beobachtungen und Interpretationen so wie ich sie sehe.
Habt Ihr eigene Erfahrungen oder interpretiert das von mir abgeleitete anders, bin offen für alle Beobachtungen, Infos und andere Meinungen.

Wie Ameisen auf die Winterruhe vorbereiten?
Sicher ist, so wie oftmals in den Foren nachzulesen, in 2 – 3 Wochen funktioniert das nicht.
In der Natur haben Ameisen viele Wochen, um sich auf die kalte Jahreszeit umzustellen.
Ihr ganzer Entwicklungsrhythmus ist vom Frühjahr an schon so angelegt, das er passend ist bis hin zur Winterruhe.
Bedingt durch unsere Haltung, müssen Ameisen zudem noch mit Bedingungen klar kommen, die begünstigen,
dass ihr Jahresrhythmus nicht mehr der ist, dem sie aus ihrer natürlichen Umgebung angepasst sind.
Angemerkt seien dafür, ständig zu warme Temperaturen, keine Schlechtwetterperioden, immer Futter im Überfluss.
Das führt dazu, dass der Sommerzyklus deutlich schneller abläuft als in der Natur.
Durchaus zu beobachten, das Völker schon ab Anfang August mehr oder weniger dahin dösen und keine Brut mehr aufziehen.

Da für die Haltung Passendes hinzubekommen ist schwierig, nicht immer möglich, zu dem erfordert es viel Aufwand.
Es sind Wege zu finden, die für uns Halter machbar sind und für unsere Ameisenarten die Bedingungen schaffen,
dass diese mit halbwegs passenden Voraussetzungen in die Winterruhe/Ruhephase gehen können.

Mit 2 – 3 Wochen ist da nichts, an die 6 Wochen sind realistischer und einzuplanen.

Eine Zeit in der Temperaturen beständig ab zu senken sind und die Futtergaben deutlich zu reduzieren, was hauptsächlich das Insektenfutter betrifft.
Zuckerwasser, Honigwasser wird so viel weiter gegeben wie sie nehmen.
Eine tägliche Absenkung der Temperatur ist nicht erforderlich.
In Abständen, auch mit größerer Temperaturdifferenz ist machbar.
Es schadet auch nicht, wenn es zwischendurch, für ein paar Tage wärmer wird, in der Natur ist das auch nicht anders.
Die Tendenz zu tieferen Temperaturen ist wichtig und zu erhalten.

Ameisen werden diese Zeit nutzen, vorhandene Puppen bis zum Schlupf zu pflegen,
um Larven auf den Winter vorzubereiten oder bei Arten die ohne Brut (Eier, Larven) überwintern, diese noch auf zuziehen.
Aktivitäten in der Arena nehmen deutlich ab, ein Großteil der Ameisen zieht sich ins Nest zurück.
Wenn es gewährleistet ist, dass die Ameisen keinen baldigen frostigen Temperaturen ausgesetzt werden,
kann Zucker- oder Honigwasser bis zum Beginn der Winterruhe angeboten werden.
In der Regel wird zu beobachten sein, dass sie von sich aus kaum noch was nehmen.

Was dann gebraucht wird, ein ruhiger kühler Ort, wo sie möglichst ungestört die nächsten Monate verbringen können.
Kleine Völker könnten ihren Platz im Kühlschrank finden, für größere wäre eine Garage oder Gartenhaus gut geeignet.
Ein geschützter Terrassenbereich, wo sie in einer Box (Styropor) untergebracht sind, die die Temperaturen etwas puffert, geht oftmals auch.
Notfalls tut es auch ein unbeheizter Kellerraum oder Flur, wo allerdings oftmals für einheimische Arten, die Temperaturen zu hoch sein können.

Für einheimische Arten sind Temperaturen unter 10°C angebracht.
Einige Arten vertragen durchaus auch ein paar Tage leichten Frost.
Wobei sich die Frage stellt, ob das Risiko eingegangen werden muss, soll.
Sicherlich in der Natur friert es ab und an schon ganz ordentlich.
Was dabei weniger bekannt ist, wie kalt es wirklich in der Natur in Ameisennestern wird?
Dort haben sie die Möglichkeit, sich entsprechend tief ein zu graben, was in der Haltung nicht gegeben ist.
Ob alle Völker in der Natur einen längeren, frostigen Winter überleben, wer kann das feststellen?

Ameisenvölker die in einem Reagenzglas mit Wassertank überwintert werden, dürfen nie Minusgraden ausgesetzt werden.
Eisbildung und späteres Auftauen können zur Überflutung des Nestraumes führen.
Ameisen, vorhandene Larven können dadurch ertrinken.

Es ist nicht erforderlich das in der Haltung Ameisen bei durchgehender Temperatur überwintern.
Schwankungen können sich durchaus positiv auf die Winterruhe auswirken.
Auch ein paar wärmere Tage schaden nicht und führen nicht gleich dazu, dass Ameisen ihre Winterruhe beenden.

Hat es geklappt mit der Einwinterung, bilden viele Arten eine dichte Traube in der sie zusammengedrängt,
bei tieferen Temperaturen fast bewegungslos verharren und auf den Frühling warten.
Ab und an schauen was sie machen ist durchaus erlaubt und ganz wichtig, darauf achten das es nicht zu trocken wird,
mehr braucht es, bei einheimischen Arten, für die Winterruhe nicht.
Na ja etwas Geduld muss auch noch her, 4 – 5 Monate Ruhezeit dürfen es schon sein.

Nicht immer wird es machbar sein, einheimischen Arten in der Haltung geeignete Temperaturen anzubieten, was dann machen?
Erste Überlegung, ob es eine einheimische Art sein muss?
Südeuropäische Arten und Ameisen die unter „Exoten“ angeboten werden, könnten da besser geeignet sein.
Wobei „Exoten“ nicht mit keiner Winterruhe gleichzusetzen ist.
Da muss schon genauer hingeschaut werden, um Arten zu finden die bei etwas kühleren Raumtemperaturen (Flur/Keller, unbeheizter Raum) ihre Winterruhe,
Ruhephase ist eher angebracht zu schreiben, verbringen können.

Kommen derartige Arten nicht in Frage, wird es schwierig.
Fehlen die Möglichkeiten, einheimische Arten bei Temperaturen unter 10°C zu überwintern, kann nur versucht werden, das Beste daraus zu machen.
Wobei jedes Grad weniger hilfreich ist.
Drängt sich die Frage auf, warum die Winterruhe nicht ganz auslassen, warm durchhalten und immer gut füttern.
So ein unbeabsichtigter Versuch wird es werden, wenn es nicht machbar ist, passende, tiefere Temperaturen an zu bieten.
Ameisenarten werden darauf unterschiedlich reagieren und was letztendlich wird, muss jeder selber herausfinden.
Habe selber längere Zeit ein Lasius niger Volk warm durchgehalten, wie sich das Volk entwickelt ist hier nachlesbar.
Einheimische Arten die zu warm durch den Winter müssen, bleiben aktiver und haben dem zu Folge einen höheren Energieverbrauch.
Ab und an etwas Zuckerwasser oder wenn ihr mehr für Honig seid, etwas Honigwasser, sorgt für das sie nicht schlapp (verhungern).

Oftmals beobachtet, einige unserer einheimischen Arten, wie z.B. Camponotus ligniperda
gehen auch bei warmen Temperaturen in Winterruhe.
Bleiben allerdings noch reichlich aktiv brauchen ebenfalls zusätzlich Energie.
Ameisen die in dieser Zeit sterben, werden nicht ersetzt, was bei kleinen Völkern durchaus problematisch werden kann.
Mitunter ist im Frühjahr nur noch eine Königin übrig.

Ameisen die passend überwintert werden, reagieren meistens recht schnell auf wärmere Temperaturen und starten wieder durch.
Anders sieht es aus, wenn es durchgehend zu warm war, es fehlt der Anreiz dafür, dass es wieder Frühling ist.
Kann mitunter deutlich länger dauern, bis wieder Leben (Nachwuchsaufzucht) in Gange kommt.


Hat alles gut hingehauen und die Winterruhezeit ist abgelaufen, kommen wir zu der Frage, wie auswintern?
Als Vorgehensweise für eine Auswinterung einheimischer Arten, ist die Natur der beste Berater.
Wer seine Ameisen in der Garage oder Dergleichen überwintert, braucht sich im Prinzip nicht weiter um die Auswinterung kümmern.
Wären da nicht die Ungeduld mancher Halter oder nicht vorhandene Möglichkeiten, Ameisen langsam auf höhere Temperaturen zu bringen.
Wer sich die Zeit nimmt und die Mühe macht, seine Ameisen langsam auf höhere Temperaturen zu bringen, hat sicherlich die besten Voraussetzungen für einen Start ins Frühjahr geschaffen.

Wer das nicht hinbekommt, nicht die Möglichkeiten dazu hat, braucht sich keine Sorgen zu machen.
Wichtig ist nur, dass die Winterruhen lang genug war, bei tiefen Temperaturen.

Meine einheimischen Arten und auch die Südeuropäischen wie z. B. Messor barbarus, kommen aus dem Winterquartier gleich in die Wärme, Zwischenstufen gibt es keine.
Die Ameisen nehmen sich in der Wärme die Zeit die sie brauchen um wieder auf „Sommer“ umzuschalten.
Wer meine Ameisenhaltung kennt, kann mitverfolgen, dass eine derartige Auswinterung keine Schaden für die Ameisen bringt.

Ein anderes Thema, wo es genauer hinzuschauen gilt, sind die Winterruhe und Ruhezeiten von sogenannten „exotischen Arten“

[Wird fortgeführt]

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Wolfgang
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Das Ende der Winterruhe für einheimische Arten?

Beitrag von Wolfgang » Do 8. Feb 2018, 11:27

Das Ende der Winterruhe für einheimische Arten schon da?

Die Zeit schreitet voran, die Ungeduld mancher Halter ebenso.
Dazu kommt noch Unwissen, durch unterschiedlichste in den Foren nachzulesende, Informationen.
Von verkürzter Winterruhe ist zu lesen, von nicht mehr in Winterruhe halten, weil es beim Transport im Winter gekaufter Ameisen warm war,
von in der Natur haben wir gerade mehr als 10°C plus oder sogar von gar keiner Winterruhe, ist zu lesen.

Was ist denn nun?

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