Camponotus nigriceps Gründung und weitere Entwicklung

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Wolfgang
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Beitrag von Wolfgang »

Camponotus nigriceps

Camponotus nigriceps Königin.jpg
Eine größere Camponotus-Art, weit verbreitet in Australien.
Claustrale Gründung (ohne Zufütterung).
Nur eine Königin vorhanden (monogyn).
Mehrere tausend polymorphe Arbeiterinnen möglich.
Entwicklungszeit etwa 7 - 8 Wochen, je nach Größe (bisher nur aus Nachgelesenem abgeleitet).

Königinnengöße bis 18 mm
Arbeiterinnengröße bis 16 mm.

Nachlesbare Haltungsparameter:
Temperatur etwa wärmer als normale Raumtemperatur, 24 – 26°C.
Feuchtigkeit: Keine belastbaren Angaben gefunden.
Mögliche Ruhezeiten: ?

Camponotus-Arten sind weltweit verbreitet, es gibt Arten mit unterschiedlichsten Größen, Farben und Verhaltensweisen sowie verschiedenen klimatischen Anforderungen.
Es dürfte für jeden Ameisenliebhaber etwas dabei sein.
Nachdem ich bereits Camponotus singularis seit vielen Jahren halte, machte ich mir Gedanken, eine weitere, größere Camponotus-Art in meine Haltung aufzunehmen.
Fündig bin ich bei Camponotus nigriceps geworden.

Normalerweise rate ich dazu, eine Ameisenhaltung mit möglichst vielen Arbeiterinnen zu beginnen, es ist einfach einfacher, Ameisen durchzubringen.
Anfängerfehler lassen sich selten ausschließen, eher gar nicht, und mit mehreren Arbeiterinnen sind die Möglichkeiten, noch etwas daraus zu machen, immer besser.
Oftmals ist es nicht machbar, solche Völker zu erwerben, da diese oftmals zu teuer sind.
Nicht selten muss eine Ameisenhaltung mit nur der Königin starten, wie bei mir, da ich am Gründungsverhalten der Camponotus nigriceps interessiert bin.

Anfang November kam die bestellte Königin bei mir an, mit dabei waren einige Eier, kleinste Larven und, oh Wunder, eine mittelgroße Arbeiterin.
Sollte euch die Arbeiterin auch verwundern, ist eine gut gemeinte, brauchbare Starthilfe.
Wird eine Arbeiterin sein, die als Puppe zur Königin gegeben wurde, eine frisch geschlüpfte Arbeiterin wäre auch machbar.

Wie oftmals beobachtet, sind Eier und kleinste Larven zu empfindlich, um den Versand zu überleben.
Nach zwei Tagen waren sie verschwunden, als Tote wieder verwertet.

In ihrem natürlichen Lebensraum leben sie in der Erde; unter Holzteilen wurden sie auch beobachtet.
In der Ameisenhaltung sollen Erdnester, Ytongnester und Gipsnester funktionieren, bei mir leben sie noch in einem Reagenzglas.
Wie es weitergeht, entscheidet die weitere Entwicklung.
Wenn es euch interessiert, wie sich Reagenzgläser passend für die Ameisenhaltung herrichten lassen, hier Informationen.

Vier Wochen später.

Camponotus nigriceps Königin mit Brut.jpg

Neue Eier wurden gelegt, Larven sind geschlüpft und wurden aufgezogen.
Die zugegebene Arbeiterin ist voll akzeptiert.

Klaustrale Gründung: Die Königin kommt allein klar, braucht nicht gefüttert zu werden und zieht den ersten Nachwuchs in einer abgeschlossenen Kammer auf.
Das kann so gestaltet werden, selber bin schon seit Jahren von einer solchen Gründung abgerückt.
Ich füttere Gründer-Königinnen abwechselnd mit einem kleinen Tropfen Zuckerwasser und kleinen Insekten direkt im Reagenzglas.
Dies sollte immer sparsam gestaltet werden, und ein- bis zweimal pro Woche reicht aus.
Bei der Camponotus nigriceps kam das gut an.
Camponotus nigriceps Königin nimmt Futter.jpg

Gerade gesehen

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Erste Larven haben sich gerade verpuppt, eine wirklich schnelle Entwicklungszeit.
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Wolfgang
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#2

Beitrag von Wolfgang »

Was sich als gute und schnelle Entwicklung abzuzeichnen schien, ist ins Stocken geraten.

Camponotus nigriceps Gründerkönigin
Camponotus nigriceps Gründerkönigin

Larven, die für ihre Verpuppung einen Kokon spinnen, bekommen diesen nicht komplett fertig, der Kokon ist nur dünn gewebt und bleibt durchsichtig.
Dadurch bleibt die Einsicht in den Kokon erhalten, und das, was sich beobachten lässt, sieht nicht normal aus.
Die Larven verpuppen sich nicht, und nach ein paar Tagen sind die Kokons verschwunden.
An der Watte sind Reste der Puppenhüllen, die Larven wahrscheinlich aufgefuttert, jedenfalls ist nichts mehr von ihnen sichtbar.

Leider sind das Beobachtungen, die kein erfolgreiches Ende anzeigen.
Oftmals ist zu beobachten, dass sich solche Vorgänge fortgesetzt haben, bis die Königinnen aufgegeben haben oder nur Männchen aufgezogen haben.

Einige größere Larven sind noch vorhanden, deren Verpuppung ansteht, drückt die Daumen, dass es wird.
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Wolfgang
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#3

Beitrag von Wolfgang »

Die größeren Larven haben sich jetzt verpuppt, deren Kokons sehen normal aus.

Camponotus nigriceps Königin_3.jpg

Zwei der drei neuen Kokons sind weiterhin vorhanden, den dritten haben sie ausgepackt und in der Arena entsorgt.

Camponotus nigriceps Kokoninhalt_2.jpg
Camponotus nigriceps Kokoninhalt_1.jpg

Ich meine, einen Knick im Fühler zu erkennen, demnach müsste es sich um eine Arbeiterin handeln.

Die eine Arbeiterin ist weiterhin vorhanden.

Camponotus nigriceps Königin_1.jpg

Das Reagenzglas ist jetzt teilweise geöffnet, was die Arbeiterin nutzt, um ein wenig Futter einzutragen.
Als weitere Änderung ist die Temperatur jetzt höher.
Neue Eier sind vorhanden und kleinere Larven.

Camponotus nigriceps Königin_2.jpg

Mal sehen, was weitergeht.

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Wolfgang
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#4

Beitrag von Wolfgang »

Wie es so schön heißt, die Hoffnung stirbt zuletzt.
Nach vielen Jahren meiner Ameisenhaltung gibt es immer noch etwas dazu zu lernen.
Ich war immer ein Befürworter, dass es in Ordnung ist, Gründerköniginnen durch die Zugabe von Puppen (Pushen) zu unterstützen,
um mit den daraus schlüpfenden Arbeiterinnen ein besseres Gelingen der Aufzucht zu erreichen.
Die jetzt gemachte Beobachtung lässt zumindest den Schluss zu, dass dies nicht immer ratsam ist.

Das fortlaufende Verschwinden der Puppen ließ sich aufklären, hier die Übeltäterin.

Camponotus nigriceps Arbeiterin.jpg

Auch wenn diese auf unschuldig macht,
Auf frischer Tat ertappt, wie sie die Puppe einer werdenden Ameise aus dem Kokon gezehrt hat.

Derartiges konnte ich noch nie beobachten, dass zugegebenen Arbeiterinnen (geschlüpft aus Puppen) die Puppen der Königin töten.
Larven und Eier wurden gepflegt und versorgt.

Wie auch immer, sie musste ausziehen.
Schade dabei, dass eine weitere Puppe zerstört wurde und nur noch eine übrig blieb.

Neue Erkenntnisse und Überraschungen, Ameisenhaltung ist und bleibt spannend.
Immer wieder ist es erfreulich, dass es weitergeht und es Erfreuliches zu berichten gibt.
Gestern ist aus der verbliebenden Puppe eine Ameise geschlüpft, der erste eigene Nachwuchs der Königin.

Camponotus nigriceps Königin mit ersten Nachwuchs.jpg

Ein paar kleine Larven, eine etwas größere und neue Eier, wie schon geschrieben:
„Wie es so schön heißt, die Hoffnung stirbt zuletzt“, mit anderen Worten, es geht weiter.

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