Messor barbarus mit wenigen Ameisen lässt es sich gut anfangen [1-14]

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Wolfgang
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Winterruhe für Messor barbarus

Beitrag von Wolfgang » So 17. Dez 2017, 17:04

Wie vorab schon geschrieben ein paar Worte zur Winterruhe von Messor barbarus

Lese ich mich durch die Ameisen - Foren ist eine derartige Vielfallt an Meinungen vorhanden, das es nicht mehr machbar ist, daraus eine Vorgehensweise abzuleiten.
Sicherlich sind einige Beiträge aus unkorrekten Beobachtungen abgeleitet, sie deshalb als unpassend zu werten, ist nicht machbar.

Woher kommen diese unterschiedlichen Beobachtungen betreffend der Winterruhe von Messor barbarus?
Diese Art ist verbreitet in südlicheren und nördlicheren Lebensräumen.
Dem haben sie sich angepasst und entsprechend sehen ihre Ruhephasen unterschiedlich aus.
Kaum ein Käufer hat genauere Informationen, wo genau seine Ameisen her kommen, genug Stoff um im Dunklen zu tappen.
Von Messor barbarus ist es bekannt, das es verschiedene Unterarten gib, was die Sache nicht einfacher macht.

Entscheidender, jedenfalls für mich, abgeleitet aus gemachten Beobachtungen, diese Ameisen nutzen passende Bedingungen so lange wie möglich,
um Nachwuchs aufzuziehen.
Von alleine, ohne äußerliche Anreize, machen viele Völker einfach weiter.
Hört sich doch gut an, immer aktive Ameisen zu beobachten, keine Winterruhe, nichts mit umständlich ins Winterquartier verfrachten.
Das scheint kein dauerhafter Zustand zu sein, mir ist es nie gelungen diese Art ohne jegliche Ruhephasen (Winterruhe) durch zu halten.
Nach durchgehenden guten Entwicklungen, war das mitunter erst nach zwei Jahren vorbei.
Durchaus auch mitten im Sommer, hat die Königin Ihre Eiablage komplett eingestellt.
Larven wurden nicht weiter aufgezogen und sind nach längerer Zeit eingegangen, wenn ich es nicht hinbekommen konnte, tiefere Temperaturen anzubieten.
Nach einigen Wochen, ohne Temperurabsenkung, viele tote Arbeiterinnen.

Und das war noch nicht alles.
Nach einer „normalen Winterruhe“ mit tieferen Temperaturen, sind diese Ameisen schnell wieder in die Spur gekommen,
wenn es nach ein paar Monaten wieder wärmer wurde.
Ganz anders bei warm durchgehaltenen Völkern die irgendwann selber eine Ruhephase eingelegt hatten.
Es gab für diese keinen Anreiz, wieder mit der Brutaufzucht anzufangen, warm hatten sie es ja immer.
Zu beobachten, eine undefinierte, längere Ruhephase mit steigender Totenanzahl zum Ende hin.

Alles Gegebenheiten, die es mehr als schwierig machen, diesen Ameisen zur richtigen Zeit, geeignete Bedingungen für eine Ruhephase an zu bieten.
Nur was machen?
Ich bin dazu übergegangen, das sie in meiner Haltung, so lange weiter machen können wie sie wollen.
Ohne Anzeichen das sie eine Ruhephase anfangen, wird nichts an den sommerlichen Haltungsbedingungen verändert.
Ebenso gibt es Futter wie immer.
Sie entscheiden praktisch selber wann sie eine Ruhephase einlegen möchten.
Das setzt natürlich voraus, das selbst im Sommer, die Möglichkeit bestehen muss, tiefere Temperaturen anzubieten.

Wieweit ich mit dieser Haltungsmethode komme, kann ich nicht beantworten, das wird sich zeigen.
Möglich das es funktioniert, genauso möglich, das ich damit Schiffbruch erleide.

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Wolfgang
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Re: Messor barbarus mit wenigen Ameisen lässt es sich gut anfangen [#13]

Beitrag von Wolfgang » Di 26. Dez 2017, 20:21

Eine überaus hohe Sterberate

Ein paar Tage nach ihrem Umzug häuften sich die Todesfälle, wie ich es bei einem derart jungen Volk noch nicht beobachten konnte.
Die Überwiegende Anzahl der Arbeiterinnen gab es im Frühjahr noch gar nicht, sind also erst ein paar Monate alt.
Noch nicht alt genug um schon ihr Lebensalter erreicht zu haben.
Irgendwas stimmt nicht nur was?
Eine Ursachenforschung verlief im Nichts.
Was blieb, war der Gedanke, es muss was mit der neuen Arena oder dem Nest zu tun haben.
Oder liegt es an den neuen Futtertieren die sie jetzt auch bekommen?
Bevor ich das alles weiter ergründen konnte, war es vorbei mit den vielen Toten.
Wenn auch unbefriedigend, manche Dinge regeln sich von alleine wenn sie Zeit haben.

Eine interessante Beobachtung konnte ich allerdings mitnehmen.
Ist eine große Arena vorhanden und die zudem auch noch nicht überbevölkert, legen die Ameisen nur für ihre Toten einen extra Müllhaufen an.
Den entfernungsmäßig soweit vom Nesteingang entfernt, wie das machbar ist.
Dort liegen nur die Toten, kein weiterer Müll.
Messor barbarus 26.12.2017_1.jpg
Messor barbarus 26.12.2017_2.jpg
Ihr normaler Müll wird gelagert, frei von Toten.

Ist jetzt auch schon einige Tage her, dass ich diese derart betrübliche Beobachtung machen musste, so wie es sich bis jetzt verhält, bleibt die Sache erledigt.

Nach all dem Trübsinn etwas Erfreuliches
Könnt Ihr Euch noch an das kleine Volk erinnern mit der „Bernstein Königin", von dem ich in der Zwischensequenz schrieb?
Wenn nicht müsst Ihr halt weiter oben nachlesen.

Das Volk ist auf einem sehr guten Weg und hat sich deutlich vergrößert.
Messor barbarus 26.12.2017_3.jpg
Messor barbarus 26.12.2017_4.jpg
Viel Nachwuchs lässt erahnen, dass sich diese Entwicklung fortsetzt.

Das die Damen etwas hektisch im Nest verteilt sind und alles an Nachwuchs herum tragen, was sie packen können, darf nicht weiter stören.
Bin etwas an das Nest gestoßen und Erschütterungen mögen sie überhaupt nicht.
Muss ich mir jetzt Sorgen machen?
Nein, dauert nicht lange dann haben sie alles wieder durchsortiert und der alltäglich Ablauf findet seine Fortsetzung.

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Wolfgang
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Re: Messor barbarus mit wenigen Ameisen lässt es sich gut anfangen ['14]

Beitrag von Wolfgang » Fr 29. Dez 2017, 15:49

Eine Entwicklung nimmt ihren Lauf
Das Jahr neigt sich dem Ende und mit einigen Bildern, lasse ich die Berichterstattung dieses Jahres ausklingen.

Momentan schon reichlich am Laufen, der Schlupf von sehr vielen Arbeiterinnen aller Größen.
Messor barbarus 29.12.2017_1.jpg
Messor barbarus 29.12.2017_2.jpg
Messor barbarus 29.12.2017_3.jpg
Messor barbarus 29.12.2017_5.jpg
Messor barbarus 29.12.2017_4.jpg
Ganz schön fleißig die Kleinen.
Das lässt eine explosionsartige Zunahme an Arbeiterinnen vorher sehen.

Mittlerweile reicht ihnen eine der großen mittleren Kammern nicht mehr für ihren Nachwuchs.
Messor barbarus 29.12.2017_8.jpg
Messor barbarus 29.12.2017_9.jpg
Messor barbarus 29.12.2017_10.jpg

Sie fangen an, eine weitere der mittleren großen Kammern für ihren Nachwuchs zu nutzen.
Messor barbarus 29.12.2017_6.jpg
Messor barbarus 29.12.2017_7.jpg
Dort lagern und pflegen sie erste Larven.
Madam Königin scheint sich dort auch besonders wohl zu fühlen.

Eine der Seitenkammern wird als Körnerlager beschlagnahmt.
Messor barbarus 29.12.2017_12.jpg
Messor barbarus 29.12.2017_13.jpg
Messor barbarus 29.12.2017_14.jpg
Selbst größere Körner wie die von Sonnenblumen, sind kein Problem.
Auch diese bekommen sie über längere Distanz geschleppt.
Allerdings hätten sie gerne ein paar mehr Körner gehabt, ich kann auch geizig sein.

Das viele Kondenswasser darf nicht täuschen.
Dieses Volk halte ich mit höherer Nestfeuchtigkeit und überall dort, wo die Heizfolie nicht aufliegt, bildet sich Kondenswasser.
Auch ist daraus nicht abzuleiten, dass die Ameisen die Kondenswasserbereiche eher meiden, dort ist die Temperatur einfach deutlich niedriger.
Wo liegt die Begründung für die höhere Nestfeuchtigkeit?
In Verbindung mit der richtigen Temperatur, entwickelt sich das Volk deutlich besser.

Ist es Euch aufgefallen, trotz des übergroßen Nestplatzangebotes gibt es keinen Müll im Nest.

Das war es für dieses Jahr, das letzte Update von Messor barbarus.
Hoffe, dass Euch die Neuauflage ein wenig gefallen hat.

Wünsche allen meinen Lesern einen guten Rutsch und ein erfolgreiches 2018.

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Messor barbarus sind schlechte Jäger?

Beitrag von Wolfgang » Mi 17. Jan 2018, 12:13

Messor barbarus sind schlechte Jäger?

So unbeholfen sie durch die Gegend laufen, lässt es sich durchaus vermuten, alles was sich noch bewegt erwischen sie nicht.
Normal verhält sich das überwiegend auch so.
Ist die Arena-Temperatur höher, so um die 26°C, ist es mehr als erstaunlich, wie schnell diese Tiere mit Mal auf den Beinen sind, das sieht fast schon elegant aus.
Allerdings reicht das normal nicht aus, in einem nicht überbesetzten Becken, um lebende Insekten oder deren Larven zu erbeuten,
ist eher selten, dass sie eine Chance bekommen.
Mehlkäferlarven, die sich gerade frisch gedeutet haben, sind eine derartige Chance.

Haben sie diese erstmal aufgespürt entwickeln sie eine vorher nicht erwartete Ausdauer um Beute zu machen.
Messor barbarus mit Mehlkäferlarve_1.jpg
Messor barbarus mit Mehlkäferlarve_2.jpg
Energisch, immer wieder nachsetzend und zubeißend wir nicht eher locker gelassen, bis die Larve erlegt ist.



Bei kleineren Völker macht es noch keinen Sinn, ihnen lebende Mehlkäferlarven anzubieten,
die haben einfach noch kein Interesse bzw. benötigen nur wenig Insektenfutter.
Auch sollte die Größe der Larven, der Volksstärke entsprechen, angepasst sein.

Wovor ich dringlichste abrate, lebende, ältere Mehlkäferlarven zu verfüttern, deren Exoskelett (Außenpanzer) schon ausgehärtet ist.
Diese Tiere sind äußerst wehrhaft und können den Ameisen Verletzungen und Schaden zufügen.
Frisch getötet sind sie durchaus als Futter verwendbar.

to be continued

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