Pogonomyrmex badius ein Ameisenhaltungsbericht beginnt

Ein nachhaltiger Ameisenbericht


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Wolfgang
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Beitrag von Wolfgang »

Pogonomyrmex badius

Pogonomyrmex badius Nestausschnitt.jpg

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„Pogonomyrmex badius“ eine weitere interessante Ameisenart, die Samen und Körner in ihr Futterspektrum integriert hat.
Eine Ameisenart, welche die Ameisenhaltung für „Messor barbarus“-Begeisterte durchaus bereichern kann.

Eine Königin zur Gründung bringen zu wollen, ist durchaus eine Herausforderung, was möglicherweise unpräzisen Informationen geschuldet ist. Z. B. ist nachzulesen, dass „Pogonomyrmex badius“-Königinnen überwiegend claustral gründen.
Vorab angemerkt, das wird so eher nur selten gelingen.

Oftmals werden Königinnen in Reagenzgläsern geliefert, die dann praktischerweise gleich als Gründungsnest Verwendung finden.

Leeres Reagenzglas.jpg

Mit dem Hintergrund, dass Königinnen in der Natur wohl nie ein Reagenzglas zu sehen bekommen.
Ein Reagenzglas ist halt praktisch, unkompliziert in der Handhabung, und Gründungen funktionieren überwiegend in einer derartigen Unterkunft.

Wann immer es möglich ist, erspart euch den Versuch, nur eine Königin aufzuziehen. Mit einer Königin und etwa 20 Arbeiterinnen wird vieles einfacher.

Pogonomyrmex badius Gründervolk mit wenigen Arbeiterinnen
Pogonomyrmex badius Gründervolk mit wenigen Arbeiterinnen
Pogonomyrmex badius Gründervolk-1.jpg

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Übrigens, das Volk auf den Bildern ist hervorgegangen aus einer Königin, die 2025 gegründet hat.
Seit vier Wochen aus der Winterruhe und gerade einige Eier von der Königin gelegt.
Ihr habt richtig gelesen, diese Pogonomyrmex badius haben zusammen im gleichen Raum wie meine Lasius niger überwintert.
Gut fünf Monate bei teilweise Temperaturen um die 10°C.
Was ihnen sehr gut getan hat und zu einer schnellen Frühjahresentwicklung zu führen scheint.

Etwa 20 Ameisen sind es geworden, nicht viel, dennoch wird es werden.
Ein anderes Volk dieser Art hat es auf etwa 200 Ameisen im Gründungsjahr gebracht.
Die ebenfalls eine „Winterruhe“ durchgemacht haben bei gleichen Parametern.
Beide Völker haben ganz ohne Brut überwintert, keine Eier, Larven, Puppen.
Beobachtungen bezüglich des größeren Volks flechte ich zwischendurch mit ein, etwas in der Art wie ein doppelter Ameisenhaltungsbericht.

Gibt es Gründe dafür, dass sich diese zwei Ameisenvölker so unterschiedlich entwickelt haben?

Die Gründung beider Völker hatte so ihre Probleme, für das kleine Volk waren diese gravierend.
Deren Königin hatte ich von einem Ameisenhalter erhalten, bei dem diese die Gründung nicht hinbekommen hatte.
Erhalten ohne jegliche Brut oder Eier, das war viel Glück, dass es nochmals mit der Gründung funktioniert hat.
Die sich daraus ergebende Entwicklungsverzögerung wirkt immer noch nach.

Auch der Gründungsablauf des größeren Volkes lief nicht rund.
Nachdem die ersten vier Arbeiterinnen geschlüpft waren, verstarb ihre Königin.
Mit noch einigem an Brut wäre es schade um diese Ameisen gewesen.
Ein kleines Volk mit, so wie ich mich zu erinnern meine, zwei Arbeiterinnen, Königin und etwas Brut das ich erwerben konnte, damit sollte es weiter gehen.
Mein Gedanke war, diese mit dem königinlosen Volk zu vereinigen.
Da es doch einige Tage gedauert hat, bis ich das kleine Ersatzvolk erhalten hatte, gab es nicht geringe Zweifel, ob sich die mittlerweile älteren Arbeiterinnen des Königin losen Volkes mit denen des Ersatzvolkes noch vertragen würden.
Frisch geschlüpfte Arbeiterinnen oder ganz junge werden normalerweise von Ameisen der gleichen Art problemlos adoptiert, ältere verhalten sich oftmals aggressiver.
Verluste oder das komplette Scheitern sind dabei nicht ausgeschlossen.
Überraschenderweise vertrugen sie sich auf Anhieb, und alle sind in das Reagenzglas mit der Königin gezogen.

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Wolfgang
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#2

Beitrag von Wolfgang »

Eine Gründung mit Pogonomyrmex badius

Nachgelesen habe ich, dass diese schwieriger sein soll.
Ja und nein, es ist wie immer mit der Ameisenhaltung, die Vorgehensweise und die Parameter müssen passen.

Oftmals erfolgen Gründungen in einem Reagenzglas, das ist praktisch, gut handhabbar und gut unterzubringen.
Nachteilig ist der Wattetrennstopfen zum Wassertank.
Es gibt kein Verfahren bzw. keine Normung, wie dieser anzufertigen ist, denn jeder erstellt ihn so, wie er es hinbekommt.
Zudem wird dabei selten berücksichtigt, dass die verschiedenen Ameisenarten unterschiedliche Ansprüche an Feuchtigkeit und Trinkmöglichkeit stellen.
Sprich, der Stopfen wäre dementsprechend anzupassen.

Sich bei der Gründung einer Pogonomyrmex badius darauf zu verlassen, dass der vorhandene Stopfen im mitgelieferten Reagenzglas schon passen wird, ist ein nicht unerhebliches Risiko.

Pogonomyrmex badius brauchen eine leicht feuchte Gründungs-Umgebung und Zugang zu Trinkwasser.
Während der gesamten Gründungszeit muss das durchgehend gewährleistet sein.
Bei einer zu trockenen Umgebung gehen Eier und kleinere Larven ein, was oftmals unpassenderweise als Brutfraß durch Störungen gedeutet wird.
Dauert eine Trockenphase länger an, sterben auch größere Larven.
Das sind Begebenheiten, die nicht nur bei Pogonomyrmex badius zutreffen.

Die Feuchtigkeitsregelung gewinnt noch an Relevanz in Verbindung damit, dass diese Ameisen eine höhere Nesttemperatur benötigen:
24 – 28 °C und das durchgehend mit einer guten Genauigkeit.

Höhere Temperaturen führen schneller zur Austrocknung und zu einer unpassenden Nestumgebung für Pogonomyrmex badius.
Eine Heizmatte direkt unter dem Reagenzglas ist unter Berücksichtigung der nicht bekannten, sich einstellenden Temperatur im Reagenzglas hoch risikobehaftet für die Brut.
Besser ist eine kleine Box, die auf Temperatur gehalten wird.
Eine Box, die, resultierend aus gemachten Beobachtungen, sowieso gebraucht wird.

Pogonomyrmexbadius-Königinnen sind als claustral gründend beschrieben.
Meinen Beobachtungen nach passt das nicht ganz.
Regelmäßig haben die Königinnen das Nest verlassen und nach Futter gesucht.
Kleinere, tote Insekten wurden eingetragen, die nach Tagen zerbröselt wieder entsorgt wurden.
Das lässt schließen, dass die Insekten verwertet wurden.
Bei einem größeren Volk wurde beobachtet, dass Insekten bzw. Insektenteile an die Larven gelegt werden.
Auch ein winziger Zuckerwassertropfen wurde gerne genommen.
An verschiedenen Körnern und Sämereien bestand bei den Königinnen kein Interesse.

Resultierend ist der Reagenzglasverschluss so zu gestalten, dass die Königin einen offenen Durchgang hat.
Pogonomyrmex badius brauchen es wirklich gut warm, diesbezüglich ist auch die Box entsprechend zu temperieren.

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Wolfgang
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#3

Beitrag von Wolfgang »

Das größere Pogonomyrmex badius Volk ist bereits 5 Wochen eher aus der Winterruhe
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Pogonomyrmex badius aus der Winterruhe
Pogonomyrmex badius aus der Winterruhe
Pogonomyrmex badius aus der Winterruhe
Pogonomyrmex badius aus der Winterruhe
Pogonomyrmex badius aus der Winterruhe
Pogonomyrmex badius aus der Winterruhe

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Pogonomyrmex badius Erstes Eigelege nach der Winterruhe
Pogonomyrmex badius Erstes Eigelege nach der Winterruhe

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Pogonomyrmex badiusnicht alle Körner wurden den Winter über aufgefuttert
Pogonomyrmex badiusnicht alle Körner wurden den Winter über aufgefuttert

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Eine Pogonomyrmex badius Königin ist gut zuerkennen
Eine Pogonomyrmex badius Königin ist gut zuerkennen

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Etwa fünf Wochen brauchen Pogonomyrmex badius vom Ei bis zum Schlupf der Arbeiterinnen.
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Pogonomyrmex badius Larven
Pogonomyrmex badius Larven
Pogonomyrmex badius Brut
Pogonomyrmex badius Brut
Pogonomyrmex badius Königin zwischen Larven
Pogonomyrmex badius Königin zwischen Larven
Pogonomyrmex badius Königin zwischen der Brut
Pogonomyrmex badius Königin zwischen der Brut
Pogonomyrmex badius Larvenfütterung
Pogonomyrmex badius Larvenfütterung
Pogonomyrmex badius Puppen
Pogonomyrmex badius Puppen
Pogonomyrmex badius Puppen
Pogonomyrmex badius Puppen
Pogonomyrmex badius Ameisen schlüpfen
Pogonomyrmex badius Ameisen schlüpfen
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Wolfgang
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#4

Beitrag von Wolfgang »

Das größere Pogonomyrmex badius-Volk ist letztes Jahr aus dem Reagenzglas gleich in ein Kombinest (Arena & Nest) gezogen.
Mit gerade einmal 20 Ameisen war dieses zwar anfangs mehr als überdimensioniert, doch es hat sie nicht gestört und zu einer sehr guten Entwicklung beigetragen.

Ich habe noch nie zu den Leuten gehört, die von einer schlechteren Entwicklung ausgehen, nur weil das Nest zu groß ist, im Gegenteil.
Entwickeln sich wenige Ameisen in einem größeren Nest nicht oder schlecht, liegen dafür andere Gründe vor.
Den Blödsinn, dass Ameisen wegen einem zu großen Nest sterben, kann ich nicht mehr lesen.
Das resultiert daraus, dass die Haltungsbedingungen nicht passen und nicht hinbekommen werden.
Zu lange Verbindungswege, z. B. Schläuche, sind ebenfalls ein Manko.

Die Nestgegebenheiten des KombiNests kommen bei den Pogonomyrmex badius gut an, diese entwickeln sich sehr gut.

Pogonomyrmex badius Nestblock.jpg

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Was futtern Pogonomyrmex badius?

Als Futter Körner, ja, kleinere tote Insekten sind wesentlicher.
Bei anderen Ameisenarten wurde mit mehr oder weniger Annahme getestet, gekochtes Eigelb.
Pogonomyrmex badius sind davon regelrecht begeistert.

Pogonomyrmex badius futtern Eigelb.jpg

Eigelbstücke bunkern sie zusammen mit ihren Körnern.

Pogonomyrmex badius lagern Eigelb.jpg

Auch legen sie Eigelb direkt an ihre Larven.

Pogonomyrmex badius Larven futtern Eigelb.jpg

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Ebenfalls sehr gerne genommen werden Fliegenpuppen.

Pogonomyrmex badius hat Fliegenpuppe erbeutet.jpg

Bei Überschuß lagern sie diese auch zwischen ihren Körnern.
Werden die Puppen nicht bald verwertet kommt Leben in das Ameisennest.
So eine Stubenfliege kann gut munter werden.

Pogonomyrmex badius lagern Fliegenpuppen..jpg

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Kleinere Körner, Trinkwasser und ab und zu ein Tropfen Zuckerwasser werden auch gebraucht.

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